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Recherche im Moor

"O schaurig ist's, übers Moor zu gehen." So beschwor die Droste beängstigende Heidebilder. Schaurig-schön kann es heute sein, sich auf die Spuren der Moorgeister zu begeben - sofern der Wanderer sich einem kundigen Führer anvertraut. "Normalerweise machen wir die Moorwanderungen bei Sonnenaufgang", erzählt Hans-H. Müller-Hisje, während er in Gummistiefeln über den federnden, feucht schmatzenden Boden stapft. Auch die Torfbauern haben früher um vier Uhr früh mit der Arbeit begonnen. Doch an diesem spätsommerlichen Mittag hängen noch die Spinnweben zwischen den Wollgras-Büscheln, fängt sich der feine Tau in der rosa bis violett blühenden Heide. Wer seine Augen beim Durchschreiten der stillen, urtümlichen Landschaft auf den Boden heftet, kann den winzigen fleischfressenden Sonnentau entdecken.

 

Das unter Naturschutz stehende Fintlandsmoor südwestlich von Bad Zwischenahn gehörte einst zu dem Kreis von Moorflächen, von denen das Ammerland umgeben war. "Deswegen sind wir hier alle miteinander verwandt", schmunzelt Müller-Hisje. Das Moor wirkte in früheren Zeiten als Kulturgrenze in Richtung Ostfriesland. Während dort die germanischen Häuptlinge demokratisch gewählt wurden, waren die Ammerländer Leibeigene des Großherzogs von Oldenburg. Wo sich heute eine Baumschule an die nächste reiht (darunter auch Europas größte), wo Radwanderer die flachen, gut ausgeschilderten Wege zwischen den kleinen Ortschaften rund um den Kurort am Zwischenahner Meer genießen, da gab es in früheren Jahrhunderten oft kein Durchkommen.

 

Das Moor wurde manchem Verirrten zum Verhängnis. Noch heute erzählen sich die alten Edewechter die Geschichte von den Münsterländern, die im Jahr 1538 wieder einmal einfielen, um das Dorf ein drittes Mal in Schutt und Asche zu legen. Doch diesmal sollten sie überlistet werden. Ein paar Bauern versteckten sich mit Laternen im Moor, über dem ein dichter Nebel hing. Den Irrlichtern folgend, versanken die Plünderer in einem dunklen, feuchten Grab.

 

Im Kayhauser Moor wird das heilsame Naturmaterial für die Kurklinik des seit 1963 staatlich anerkannten Moorheilbads Zwischenahn gestochen. Unweit der Stelle, wo heute kräftige Bagger im Einsatz sind, fand der Torfbauer Friedrich Roggemann im Juli 1922 eine Moorleiche. In 1,20 Meter Tiefe stieß er mit seinem Spaten auf etwas Hartes. Es handelte sich um die vor 2362 Jahren dort versunkene Leiche eines etwa zehnjährigen Jungen, der vermutlich ermordet wurde. Drei Stichwunden am Hals und eine komplizierte Fesselung weisen darauf hin. Der wegen des Sauerstoffabschlusses im Moor gut erhaltene Fund ist im oldenburgischen "Museum am Damm" zu sehen.

 

Doch nicht nur Schrecken verbreitete das Moor unter den Ammerländern. Sie verstanden es schon früh, den Torf als Heiz- und Düngematrial zu nutzen. Das Schmelzwasser der Eiszeiten sammelte sich auf dem undurchlässigen Lehmboden, der später zahlreiche Ziegelwerke im Ammerland entstehen ließ. Durch die in ihm vermodernden Pflanzen wurde das Wasser sauer, weshalb hier keine Fische anzutreffen sind. Selbst Frösche leben nur in den Randgebieten. Das auf diese Lebensbedingungen spezialisierte Torfmoos (Sphagnum magellanicum) saugt wie ein Schwamm das Zehnfache seines eigenen Gewichts an Wasser auf. Unten sterben die Pflanzenteile ab, oben entwickelt sich das Moos weiter. In 1 000 Jahren wächst das Moor um einen Meter in die Höhe. Die ältesten Schichten sind 10 000 Jahre alt. Durch ein ausgedehntes System aus Entwässerungsgräben wurde es möglich, die dazwischen liegenden Felder zu bewirtschaften.

 

Die Heilkraft wurde in den 30er Jahren ermittelt. Seit Ende der 50er Jahre gibt es die Kurbetriebsgesellschaft, die pro Jahr 8 000 Kubikmeter Torf für die Klinik zum "Verbaden" abbaut. Das 42 Grad Cesius warme Moorbad wirkt sich günstig auf Gelenkerkrankungen aus. Auch kalte oder warme Packungen einzelner Körperteile sind möglich. Anschließend wird das mit Wasser verdünnte, ansonsten aber naturbelassene Moor auf dreieinhalb Kilometer langen Rohrwegen zu seinem Herkunftsort zurückgepumpt. Nach zehn Jahren hat sich das Wasser so weit abgesetzt, daß sich ein Moorbecken wieder im üblichen Zustand befindet. Der Kreislauf kann von vorn beginnen.

 

Quelle: Westfälische Nachrichten - eine ganze Seite