Gedichte

admin 12. April 2009

Ein Kind ihrer Zeit, hat Fürstin Pauline frühzeitig begonnen, ihre Gemütsbewegungen in Gedichten zu verarbeiten. Ihr Lehrer dabei war der Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim, der, ein Zeitgenosse Goethes, ebenso bekannt war wie dieser.  Mein besonderer Dank gilt Herrn Dr. Hans-Peter Wehlt, der mit bei der Übertragung der Gedichte aus der schwer lesbaren Schrift der Fürstin mehr als geholfen hat.

Die Ballenstädter Gegend im Frühling

 

Jezt bist du schon, mein holder Aufenthalt

Jezt, da Natur mit voller Hand dich zieret.

Jezt bleibt kein Herz bei deinem Reize kalt,

Nein, jedes ist von Danck und Freud regieret.

 

Denn lieblicher May,

Du eilest herbey

Und blühende Aeste

Und kühlende Weste

Und Nachtigallens Lieder

Verkünden dich wieder.

 

Nichts ist so schön als wann der Gärten Raum

Man jetzt durchirrt am frühen heitern Morgen;

Denn jeder Silberblüthen reiche Baum

Vermindert Grillen und versüßet Sorgen.

 

In stärckender Luft

Entzückender Duft

Wer ist da nicht heiter,

Verschiebet auf weiter

Die drückenden Klagen

Die leider ihn plagen.

 

Jetzt bist du schön, du kleiner Schattenwald

Wo Philomel auf jeden Ast sich wieget,

Den Gatten lockt, wann seine Antwort schallt,

Ihn trillernd, zwitschernd schnell entgegen flieget.

 

Dein keimendes Grün,

Das jugendlich kühn

Hervor schon geeilet,

Gerüche vertheilet,

Im sanfthellen Glanze

Verschönert das Ganze.

 

Nichts ist so schön, ach wahrlich auch für mich

Als Aufenthalt auf väterlichen Fluren.

Ach zaubernde, verhüllt, umschließet mich

Nach Jahren einst, auch meines Daseyns Spuren.

 

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