Der Ritter der Rose - Theaterszene

admin 3. April 2009

Nachfolgende Theaterszene wurde anläßlich der 1. Lippertage in Horn-Bad Meinberg 2004 von Peter-Uwe Witt vomLandestheater Detmold inszeniert. Geschrieben habe ich sie in Anlehnung an das “Lippiflorium” des Magister Justinus. Die zweite Aufführung erfolgte beim Rosenfest ebenfalls in Horn 2008. die Akteure kamen von der Freilichtbühne Bellenberg.

 
 
 Heinrich der Löwe mit seiner Frau MathildeVORWORT

Es war ein Ritter einst geboren

Aus einer Sippe auserkoren

Er seinen angestammten Adel

Mit Sitten schmückte ohne Tadel

Was ihm auch seine Herren sagen

Was einer ihm auch aufgetragen

Sei’s, dass er rächend sie vertrat

Sei’s, dass er anderes für sie tat

Nichts davon schob er lange auf

Erledigte alles in eifrigem Lauf

Für diese Herren musste er sein Leben

Sehr häufig in den Tod begeben

Ob’s auf der Jagd, in Kriegsgefahr

Ob’s sonst bei einer Handlung war.

 Magister Justinus

 

 Am heutigen Tage wollen wir einen ungewöhnlichen Mann in den Ritterstand erheben.

 Er, der edle Knabe verdankte Eltern sein Leben, welche ein adlig Geschlecht zierte und eigener Wert.

Glänzender war ihr Adel als ihrer Güter Besitztum.

Jung noch an Jahren wird der Knabe den Studien gewidmet. Wegen seines trefflich Rufes nimmt man in Hildesheim bald in die Kirche ihn auf, wo er als Domherr lebt. Höhere Würden führwahr warten seiner noch.

Aber das Schicksal wollte es nicht.

Der göttliche Wille

Ändert alles, er lenkt’s. leitet’s und führet’s zum Ziel.

Denn der ältere Bruder starb und der Vater rufet den jüngeren Sohn auf die Güter zurück.

Laiengewand trägt er und übt sich fortan in den Waffen.  Und im Dienste seines Herrn, dem Edlen Herzog Heinrich der Löwe, trägt er des dienenden Joch.

Herrschen will er einst, drum dient er, um in Zukunft Größer zu sein; jetzt klein, strebt er nach höherem Ziel. Und so lange er dient, ergiebt er sich gänzlich den Waffen. Lernt als Knappe den Krieg kennen in jeder Gestalt. Ihn, den nimmer verzagten, den milden, gewinnenden Jüngling, lobt und ehret und liebt Ritter und Klerus und Volk.

Heut nun wird mit dem Ritterschwert endlich die Seite geziert.

 

 Der Knappe erscheint in Mönchskutte. Zunächst erteilt der Priester seinen Segen (knien, Kreuz küssen)

„Obwohl du zum Mönch bestimmt warst, bist du nach dem Tode deines Bruders dem Ruf des Schwertes gefolgt. Du hast dich dem Herzog angeschlossen und tapfer für ihn gefochten. Dein Ruf als listenreicher Krieger geht weit über unsere Lande hinaus. Deine Feinde fürchten dich, deine Freunde lieben dich. Heute sollst du darum in den Kreis der Ritter aufgenommen werden.“

Der Herzog erhebt sich und fragt: „Warum willst du in den Ritterstand aufgenommen werden? Wenn du Reichtum und Ehre begehrst, bist du nicht würdig.“

Daraufhin legt Bernhard die linke Hand auf die ihm vom Abt gereichte Bibel, hebt die Schwurhand und antwortet: „Ich will jederzeit die Ritterpflichten erfüllen.

(Ich gelobe, alle Lehren der Kirche zu glauben und ihre Gebote zu halten.

Ich gelobe, die Kirche zu schützen.

Ich gelobe, die Schwachen zu verteidigen.

Ich gelobe, das Land meiner Geburt zu lieben.

Ich gelobe, nie vor dem Feind zu fliehen,

Ich gelobe, bis zu meinem Tod gegen die Ungläubigen zu kämpfen.

Ich gelobe, meine Pflichten dem Lehnsherrn gegenüber zu erfüllen, sofern sie nicht gegen Gottes Gebote sind.

Ich gelobe, niemals zu lügen und zu meinem gegebenen Wort zu stehen.

Ich gelobe, allen gegenüber freimütig und großzügig zu sein.

Ich gelobe, immer für das Recht und gegen Ungerechtigkeit und Böses zu kämpfen.“)

 

Auf ein Zeichen des Herolds tritt Widukind von Rheda zusammen mit dem Abt des Hildesheimer Doms heran und beide bezeugen die adelige Herkunft, den christlichen Glauben und den unbescholtenen Lebenswandel Bernhards. Danach nehmen sie ihm die Mönchskutte ab. Über seine schwarze Kleidung legen sie ihm ein langes rotes Gewand, schwarze Strümpfe und Stiefel und einen weißen Gürtel an.

Bernhard kniet erneut nieder und der Herzog tritt auf ihn zu. Er überreicht Bernhard einen Zweig für das Landeslehen und eine Fahne für die Amtsgewalt. Beides reicht Bernhard an Widukind zur Verwahrung weiter. Dann nimmt der Herzog Bernhards gefaltete Hände zwischen seine und Bernhard spricht den Treuespruch: „Bei meiner Treue verspreche ich, meinem Herrn, dem sehr frommen Herzog Heinrich, ein treuer Gefolgsmann zu sein und ihm meine Mannschaft unwandelbar zu erhalten, aufrichtig und ohne Trug.“

Der Herzog spricht seinen Treuespruch: „Bei meiner Treue verspreche ich, meinen Vasallen, den sehr frommen Herrn Bernhard zur Lippe und seine Mannschaft, zu erhalten und zu beschützen, wie es eines guten Lehnsherrn Pflicht ist.“ Der Herzog erhebt Bernhard zu sich und die Männer wechselten den Bruderkuss. Nun tritt der Bischof vor Bernhard, der erneut die Knie beugt.

Der Bischof hält ihm das Kreuz hin. Eine Hand auf dem Kreuz, die andere zum Schwur erhoben, spricht Bernhard die Formel: „Durch diesen Eid schwöre ich, meinem Herrn, dem sehr frommen Herzog Heinrich, treu zu sein, wie ein Ritter seinem Herrn treu zu sein hat zur Erhaltung seines Besitzes und zur Wahrung seines Rechts. Ich werde diesen Eid halten, so wie ich es weiß und verstehe, von diesem Tage an, so wahr mir Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde und dieses heilige Kreuz helfe.“ Der Bischof segnet Bernhard. Inzwischen wird dem Herzog ein Schwert gereicht. Er tritt damit auf Bernhard zu und berührt dessen Schultern und seinen Hals mit dem Schwert: „Zu Gottes und Mariens Ehr, diesen Schlag und keinen mehr! Sei tapfer, ehrlich und gerecht; besser Ritter als ein Knecht.“

 Edler Herr Bernhard II. zur Lippe

Der Ritter wird mit dem Schwert gegürtet, Helm aufgesetzt, Schild in den Arm gegeben, die goldenen Sporen angeschnallt.

 

Festtag feiert man jetzt, mit dem Volk erscheinen die Edlen und in mancherlei Art findet ein Ritterspiel statt. Schilde stoßen mit Schilden, mit Helmen Helme zusammen, zahllos fliegen zugleich Splitter von Lanzen ringsum.

Pfeifen erschallen, die Pauke erdröhnt, es tönen die Flöten; sieh‘, die lustige Schar fahrender Männer ist da.

  • Keine Kommentare

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben

Comment Spam Protection by WP-SpamFree