Karten zur Diskussion
admin 2. April 2009
700 Orte in Europa erheben Anspruch darauf, Austragungsort der Varusschlacht gewesen zu sein. Folgt man den historischen Berichterstattern, die sich allerdings manchen literarischen Schnitzer erlaubt haben bzw. verfolgt die römische Eroberungsstrategie, so spricht doch relativ viel dafür, dass der Austragungsort tatsächlich in der Nähe des Berges war, auf dem heute das Hermannsdenkmal steht.
Betrachten wir zunächst die Okkupationspolitik der Römer. In Germanien war sie hauptsächlich vom Problem der Logistik bestimmt. Es gab anfangs keine Straßen, die von römischen Legionen genutzt werden konnten. Die Versorgung der Truppen aus dem Land selbst war nicht zu bewerkstelligen. Somit war man auf natürliche Transportwege angewiesen und musste an diesen entsprechende Nachschublager einrichten. Nachgewiesenermaßen war dieses die Lippe, die vom Rhein bis ins Herz des Cheruskerlandes in der Nähe der Weser reichte. Strategische Planung. Der Gebirgszug, an dem sie endete, konnte an verschiedenen Stellen relativ bequem überschritten werden (z.B. Externsteine, Velmerstot, Winnfeld Nähe Gauseköte, Dörenschlucht, Sparrenburg bei Bielefeld). Die Wasserversorgung von Mensch und Tier war auf allen Wegen gesichert und die zurück zu legenden Strecken in maximal drei Tagesmärschen zu bewältigen.gefundene und vermutete römische Lager entlang der Lippe bis zur Weser, Legende zu nachgewiesene und vermutete römische Lager Leider konnten noch nicht in dem Rahmen geforscht werden, den das Thema verdient hätte. Wenn man die Karten liest, so kann man sich des Eindrucks nicht entziehen, das Germanien gar nicht mehr so wild und unzugänglich war, wie die Berichterstatter früher und heute es uns weismachen wollen. Man muss davon ausgehen, dass die römsiche Armee auf relativ gut befestigten Wegen unterwegs war (dafür zogen Pioniertrupps vor den Legionen her) und jeweils in Tagesmarschentfernung ein Lager bzw. Kastell vorhanden war. Alle drei Tage musste sogar ein Versorgungslager angelegt werden, da ein Legionäre nur für drei Tage Proviant dabei hatte.
Eine Legion bestand einschließlich der Auxiliartruppen aus rund 10000 aktiven Männern unter Waffen. Römische Legion.Den Tross nicht mitgerechnet.
Der Tageskonsum einer solchen Legion wurde ermittelt mit:
30000 Litern Wasser
15 – 30 t Lebensmitteln, davon 7,5 t Getreide
40 – 60 t Abfall waren zu entsorgen
(Informationen: Museum Xanten)
Die Einfallwege in das wilde Germanien waren in erster Linie die Lippe, dann aber auch die Verbindung vom Main Richtung Fulda, sowie Ems und Weser. Die heutige norddeutsche Tiefebene muss man sich ziemlich feucht vorstellen - auch heute noch ist zu von vielen kleineren und größeren Flüssen durchzogen - so dass es verständlich ist, wenn berichtet wird, dass die Kavallerie diesen Weg nutzte, nicht jedoch die Fusstruppen.
Die Verschiffung von Mensch und Tier dürfen wir uns nicht so einfach vorstellen, wie beispiesweise Tacitus es uns berichtet. Gefahren wurde nur in Küstennähe und das auch nur bei Tag. Wurde Pferde transportiert, so mussten diese mindestens einmal am Tag vom Schiff abgeladen werden, um zu saufen und zu grasen. Es ist unmöglich den Wasserbedarf der Tiere auch nur für einen Tag auf dem Schiff mitzunehmen. Vom Gras oder Heu ganz zu schweigen. So hat mein Logistikspezialist Wolfram folgende Berechnung aufgestellt:
Der Transport auf dem Landweg:
- Zweiergespann mit Ochsen oder Pferden, Nutzlast 400 bis 500 kg
- Aktionsradius etwa 100 bis 125 km ausgehend vom letzten Magazinplatz, entspricht 5-6 Tagesmärschen und zurück.
Die Grenze wird durch den Futterverbrauch des Gespannes bestimmt: 12 kg Getreide pro Gespann und Tag, also 120 bis 144 kg Getreide, das sind ca. 25% der Nutzlast. - Trosslänge (Verwundbarkeit): allein für den Transport dieses täglichen Getreidebedarfs bei einer jeweiligen Nutzlast von 400-500 kg waren ca. 50 Wagen mit einer Kolonnenlänge von mind. 600m erforderlich. Dazu kamen Gepäckfuhrwerke und laufendes Lebendvieh, sowie zivile Helfer, insgesamt also ein Tross von ungefähr 1 km Länge.
Wasserweg:
- Unter den oben genannten Prämissen musste der Vormarsch unbedingt in der Nähe eines schiffbaren Wasserlaufes erfolgen.
- Nur auf dem Wasserwege war es möglich, die großen Mengen an Nachschub heranzuführen und in regelmäßigen Abständen angelegten Magazinen zu lagern.
- Es gab zwei Größen von Transportschiffen.
Die großen römischen Flachkähne ohne Kiel mit Doppelruder trugen bis zu 45 Tonnen und wurden im Unterlauf der Flüsse bei geringer Strömung gefahren.
Die kleineren Schiffe mit spitzem Bug und Stern wurden trugen Lasten bis 2 Tonnen und wurden im Oberlauf der Flüsse und bei stärkerer Strömung von Uferstraßen aus getreidelt.
Für die Karten, die Übersichten über Aufbau der Legion und die vielen Hilfen beim Thema Strategie danke ich meinem Mitstreiter Wolfram Gebhardt, der sich akribisch durch die Literatur hindurch arbeitet und sein Wissen in den verschiedenen Karten, die ich hier zeigen darf, verarbeitet hat. Er ist der große Logistiker im Team und stellt jede Berechnungen über mögliche und unmögliche Marschwege an. Selbst die Frage nach der Geschwindigkeit eines römischen Schiffes kann ihn nicht aus der Ruhe bringen. Allerherzlichsten Dank!!!
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